“Samstag, den 1. März 2008.”
Aufwachend um 6.40 Uhr. Gleich möchte ich mir die Sendung “Sterbehilfe” im TV anschauen. So ganz unberührt lässt mich das Thema nun doch nicht. Wo ich doch wieder die starken Oberbauchbeschwerden habe, hoffend, dass sie durch das Trinken von Kaffee wieder verschwinden mögen. Neue Erkenntnisse bringt der Film mir nicht. Er macht mir unmißverständlich klar, dass es viele Meinungen dazu gibt, z.B. wo die Risiken von der Sterbehilfe und ihre Chancen zu finden sind. Außerdem macht er mich wiederum auf die verschiedenen Phasen des Sterbeprozesses aufmerksam, z.B. dass das Befinden eines Jeden, heute so und morgen ganz anders sein kann. Flexibilität und Einfühlungsvermögen sind gefragt. Das lehrt mich jetzt wieder meine Mutter. Sie zieht ihre Stirn kraus, während ich sie umbette und ihr etwas zu trinken gebe. Das Wasser schmeckt ihr auch nicht mehr, es ist ihrer Meinung nach nicht mehr so rein, aber sie trinkt trotzdem ein paar Schlückchen. Unzufrieden mit sich selbst, weil sie glaubt, mich zu sehr zu belasten, ist es doch eigentlich nur ihr stinkender Mundgeruch, der mich ein bische
n davon abhält, ihr ganz nahe zu kommen. Aber wie immer akzeptiere oder verdränge ich den Todesgeruch, den Geruch von zerfallendem Gewebe, den ich bei so vielen Krebspatienten in der Schlussphase gerochen und so stark empfunden habe. Also nehme ich das, was indem, inzwischen zu großen Nachthemd da liegt, in den Arm, schließlich nimmt sie mich noch voll und ganz wahr. Habe ich doch während der Arbeit mit alten, kranken Leuten so oft erlebt, wie glücklich sie noch werden konnten, wenn sie von verständnisvollen Menschen unterstützt und nicht alleine gelassen wurden. Meine Frage nach evtl. Schmerzen verneint sie. Das heftige Gewitter heute Nacht, habe sie aber mitbekommen. Dies als Einleitung für ein Gespräch nutzen wollend, merke ich sehr bald, dass sie zu müde ist, um nachzudenken und zu antworten. Also lasse ich es dabei und hoffe, dass sie wieder so schöne Träume hat, nach denen sie sich so sehr sehnt. So wie ich vermute, sicherlich eine Folge des Morphiumpflasters, das sie auf ihrer Haut trägt!





